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Foto: Viessmann Vitovent 300 F
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Lüftungstechnik

veröffentlicht am 23. Oktober 2018

„Lüftungstechnik gehört genauso zum Haus wie die Statik.“

Die Energieeinsparverordnung (EnEv) verlangt beim Neubau und bei größeren Sanierungen ein Lüftungskonzept. Warum das notwendig ist und welche Lüftungssysteme dafür infrage kommen, erklärt Peter Paul Thoma, Geschäftsführer des VfW – Bundesverband für Wohnungslüftung e.V.

Was ist eigentlich ein Lüftungskonzept?
Ein Lüftungskonzept ist in allen Neubauten und auch bei Bestandsgebäuden nach Sanierung erforderlich, wenn mehr als ein Drittel der Fensterfläche ausgetauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche saniert wurde. Mit dem Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 soll zunächst überprüft werden, ob eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich ist. In 95 Prozent der Fälle trifft das zu.

Heißt das, dann muss eine Lüftungsanlage eingebaut werden?
Nein, das heißt es nicht automatisch. Ein Lüftungskonzept ist nicht gleichbedeutend mit dem Konzept für eine Lüftungsanlage. Die Umsetzung technologieoffen, das heißt, es gibt mehrere Möglichkeiten für lüftungstechnische Maßnahmen.

Warum reicht es nicht aus, einfach öfter die Fenster zum Lüften zu öffnen?
Weil das Gebäude auch dann mit ausreichend frischer Außenluft versorgt werden muss, wenn niemand zu Hause ist, um die Fenster zu öffnen. Der Luftwechsel muss nutzerunabhängig erfolgen. Bei einer dichten Gebäudehülle findet aber kein natürlicher Luftaustausch mehr über Ritzen und Fugen statt. Das Lüften per Hand kann aber immer im Lüftungskonzept mit einbezogen werden.

Welche Lüftungssysteme kommen für ein Lüftungskonzept in Frage?
Wir unterscheiden verschiedene Lüftungsstufen. Die Mindeststufe, die immer gewährleistet sein muss, ist der Feuchteschutz. Wenn die Feuchtigkeit, die durch Atmen, Zimmerpflanzen, Duschen oder andere Aktivitäten entsteht, nicht aus der Wohnung abgeführt wird, kann das zu Schimmelbildung führen. Dafür reicht unter Umständen die sogenannte freie Lüftung mit Fensterfalzlüftern aus. Das sind in die Fensterrahmen eingebaute Belüftungsspalte, durch die immer eine kontrollierte Mindestluftmenge durchgeht.

Und wenn die freie Lüftung nicht ausreicht?
Als nächste Stufe kann man die Fensterfalzlüfter mit Abluftanlagen kombinieren. In feuchtebelasteten Räumen wie Bad und Küche werden Abluftgeräte installiert, die einen Unterdruck erzeugen, sodass die feuchte Luft nach außen entweicht. Über die Fensterfalzlüfter strömt dann frische Außenluft nach. Die „Königslösung“ wäre dann die Zu- und Abluftanlage, die sowohl verbrauchte Luft raus- als auch frische Luft hineinbefördert. Das kann eine zentrale Lüftungsanlage oder ein dezentrales Lüftungssystem sein. Eine zwischengeschaltete Wärmerückgewinnung macht das Ganze auch energetisch interessant.

Die Zu- und Abluftanlage ist also immer die beste Option?
Auf jeden Fall bietet sie den meisten Komfort. Ansonsten kommt es auf die Situation an. Wenn Sie beispielsweise mit zwei bis drei Personen in einer 300 bis 400 Quadratmeter großen Villa leben, dann ist Feuchteschutz wegen des großen Volumens eigentlich gar kein Thema. Mit zwei Personen in einer 50-Quadratmeter-Wohnung muss man schon mehr tun, um den Mindestluftwechsel hinzubekommen. Es hängt aber immer davon ab, wie das Gebäude gebaut ist und wie dicht es ist.

Eine Lüftungsanlage ist also keine Luxusausstattung, sondern in vielen Fällen eine Notwendigkeit?
Ich vergleiche das gerne mit einem Auto: Sie können Ihr Fahrzeug mit allen möglichen Extras ausstatten, die Sie nicht brauchen, aber ohne Räder fährt es nicht. Für mich gehört die Lüftung zum Haus wie die Räder zum Auto. Bei modernen Häusern gehört die Lüftungstechnik genauso zur Baugrundlage wie die Statik. Sie sollte deshalb bei den Baukosten auch nicht als energetische Maßnahme gewertet werden, die den Bau teurer macht. Lüftungssysteme sind heute einfach unverzichtbar.

Apropos Kosten: Mit welchem Anteil für Lüftung an den Baukosten muss ich rechnen?
Das kommt immer auf den Einzelfall an, aber in der Regel liegt der Anteil wohl unter zwei Prozent. Insgesamt macht die gesamte Haustechnik heute einen viel größeren Anteil, bis etwa 40 Prozent der Baukosten aus. Die Lüftung als solche fällt da gar nicht so sehr ins Gewicht.

Wer erstellt das Lüftungskonzept?
Idealerweise der Planer. Bei einzelnen Sanierungsmaßnahmen, etwa Dachabdichtung, kann auch der ausführende Handwerker das Lüftungskonzept erstellen. Bei umfassenden Sanierungen mit verschiedenen Gewerken sollte das aber ein Architekt oder Energieberater übernehmen.

Wir danken Peter Paul Thoma, Geschäftsführer des VfW – Bundesverband für Wohnungslüftung e.V., für das Gespräch.

© Abbildung: Viessmann Werke